Man möchte es kaum glauben, doch seit der Anerkennung des Altorientalischen Mövchens durch den Zucht- und Anerkennungsausschuss des VDT sind nun bereits rund sieben Jahre ins Land gezogen. Es ist also höchst an der Zeit, Bilanz zu ziehen, Ereignisse und Entwicklungen zu rekapitulieren, und einen Blick in die Zukunft zu wagen. Viel hat sich innerhalb dieser überschaubaren Zeitspanne rund um unsere Altorientalischen Mövchen getan, zum Teil wurde davon bereits an den entsprechenden medialen Stellen berichtet, und die durchwegs erfreulichen Entwicklungen in Bezug auf diese liebenswerte Taubenrasse scheinen kein Ende nehmen zu wollen. Die Rasse liegt offenbar voll im Trend unserer Zeit, und ich möchte daher einige meiner aktuellen Gedanken über diese wundervollen Tauben zu Papier bringen.
Ereignisse im Zeitraffer
Nicht in jedem Fall ist garantiert, dass die Entwicklung einer neu anerkannten Rasse einen derart erfreulichen Verlauf nimmt, wie wir ihn derzeit bei den Altorientalischen Mövchen erleben. Oft gab es in vergleichbaren Fällen einen momentanen Boom oder Hype um die neu anerkannte Rasse, doch bald verebbten diese wieder, und das anfängliche Interesse an den Tauben ging stark zurück. Nicht so bei den Altorientalischen Mövchen. Bei dieser liebenswerten Taubenrasse hält der anfänglich bestehende Aufwärtstrend bis heute an, und die Begeisterung für die Tauben ist ungebrochen. Woran diese oder jene Entwicklungen im Detail liegen mögen, ist im Nachhinein oft schwierig zu ergründen. Wichtig für eine positive Rasseentwicklung scheinen mir aber vor allem folgende Voraussetzungen zu sein. Einerseits braucht es starke Persönlichkeiten, die als Mentoren und Lobbyisten der Rasse fungieren. Zusagen und Versprechungen, die Verantwortungsträger zu Beginn machen, sollten möglichst rasch und vollständig umgesetzt werden. Und nicht zu Letzt ist es bestimmt hilfreich, wenn die neue Rasse in ihrem Erscheinungsbild aber auch in ihrer Zucht-und Haltungsphilosophie gut in die stets wandelbaren Erwartungen der Zeit und der Gesellschaft passt.
All diese Voraussetzungen scheinen für die erfolgreiche Etablierung des Altorientalischen Mövchens innerhalb der Rassetaubenszene offenbar erfüllt gewesen zu sein, sonst hätte die Rasse wohl keinen derartigen Senkrechtstart hinlegen können. Mit Rainer Dammers, der das Vorstellungverfahren im Jahre 2008 auf der VDT-Schau in Dortmund erfolgreich abschließen konnte, hat die Rasse zweifellos ihren prominentesten Fürsprecher gefunden. Rainers Fähigkeiten als meisterlicher Züchter sind unbestritten, jedoch mindestens ebenso wichtig für das Promoten einer neuen Rasse sind Organisationstalent, Führungsqualität und die Kommunikationsfähigkeit eines Diplomaten, alles Eigenschaften, die Rainer in hohem Ausmaß besitzt. Daneben ist Rainer selbstverständlich ein großer Kenner der Rasse, was, beim Altorientalischen Mövchen unverzichtbar, auch profunde Kenntnisse zur Farbgenetik miteinschließt.
Nach erfolgter Anerkennung der Rasse wurde bald die Gründung eines Sondervereines angekündigt. Auch eine eigene Homepage sollte gestaltet werden. Beide Versprechen wurden rasch in die Tat umgesetzt.
Dieses Banner des Sondervereins darf auf keiner Großschau fehlen. Es beschreibt in wenigen Worten die Attribute der Rasse kurz aber prägnant. Alles weitere Wissenswerte erfährt man auf der angegebenen Homepage des Sondervereins:
Als würdigen Rahmen für die Gründungsversammlung des SV der Züchter Altorientalischer Mövchen wurde die Europaschau des Jahres 2012 in Leipzig auserkoren. Am Samstag, dem 8.12.2012 fand das erste Vereinstreffen der Züchter vor Ort statt. In Leipzig war eine umfangreiche Werbeschau der neuen Rasse zu sehen, auf der Zuchtfreund Rainer Dammers, Betreiber und Initiator des Anerkennungsverfahrens, Höchstselbst als Sonderrichter fungierte.
Bereits wenige Wochen nach der Vereinsgründung wurde vom 2. Schriftführer Dr. Martin Linde eine überaus professionelle und äußerst sehenswerte Homepage gestaltet (www.altorientalen.de). Martin ist selbst sehr erfolgreicher Züchter und Aussteller der neuen Rasse, inzwischen auch offiziell für die Öffentlichkeitsarbeit des Sondervereines zuständig, und er betreut die neue Homepage topaktuell, sodass laufend neue Beiträge wie reich bebilderte Schauberichte, allgemeine Projekte oder die Mitgliederentwicklungen ins Netz gestellt werden. Auch ein brillant gemachtes Vereinsrundschreiben, das sogenannte „AOM-Journal“ ist unter Martins Federführung inzwischen in zwei Jahrgängen erschienen. Dies ist eine wahrhaft großartige Leistung eines vielseitig beschäftigten und interessierten Zuchtfreund!
Ohne das herausragende Engagement von Menschen wie Rainer und Martin könnte ein Sonderverein in der heutigen Zeit nicht lange bestehen. Es ist der gewisse Funke, der durch dieses Engagement auf andere Menschen überspringt und sie dazu motiviert hier gerne mitmachen zu wollen. Potentiellen Neumitgliedern wird auf diese Weise vermittelt, dass sie in dem Sonderverein gut betreut und stets ein reichhaltiges Vereinsleben vorfinden werden. Dass dieses Konzept voll aufgegangen ist, beweisen die stetig steigenden Mitgliederzahlen und auch die immer umfangreicher werdenden Sonderschauen der Rasse. Inzwischen liegt der Verein bei einer Mitgliederzahl von beinahe Fünfzig, was einem Zuwachs von über 15 % gegenüber dem Jahr 2014 entspricht. Auf den Hauptsonderschauen des Vereines werden mittlerweile regelmäßig um die 180 Altorientalische Mövchen gezeigt, was für eine erst jüngst anerkannte Rasse ein überaus respektables Ergebnis darstellt. Die Zweihundertermarke wird bestimmt auch bald geknackt werden können.
Diese wundervolle braunfahlweißbindige Täubin des Jahrgangs 2012 aus dem Schlage Dammers ist für mich das Non plus Ultra der Rasse.
Wenn man sich mit den Tieren befasst, entwickeln viele Altorientalen ein sehr menschenbezogenes Wesen. Im Bild ein rotgesäumter Blondinettentäuber aus dem Schlage von Ramona Kotzur. Foto: Kotzur
Rasche Qualitätsverbesserung auf breiter Basis
Die Rassemerkmale und das angestrebte Zuchtziel für die neue Rasse wurden im Anerkennungsverfahren sehr exakt definiert und festgelegt. Nur sehr wenige Adaptierungen oder Nachbesserungen wurden nach der Anerkennung notwendig beziehungsweise diskutiert. Eine vergleichbare Erfahrung bei anderen neuen Rassen ist keinesfalls selbstverständlich und konnte im Falle des Altorientalischen Mövchens wohl auch nur aufgrund der ausgiebigen und rechtzeitig auf breiter Basis geführten Diskussionen erreicht werden. Den Ablauf des Anerkennungsverfahrens möchte ich im Rückblick als vorbildlich und in höchstem Maße demokratisch bezeichnen. Man hat sich in vielen strittigen Punkten die Rassemerkmale betreffend bezüglich einer Entscheidungsfindung lange Zeit gelassen, viele Meinungen eingeholt und diese wo immer möglich berücksichtigt. Darüber hinaus hat man das angestrebte Zuchtziel mit jenem anderer Länder (z.B. den USA, in denen eine ähnliche Rasse seit langem existiert) verglichen, Fragen zur korrekten Bezeichnung der Farbenschläge aufgrund der recht komplexen Farbgenetik der Rasse ausgiebig behandelt und dabei seitens der Verantwortungsträger Reiner Wolf und Dr. Werner Lüthgen nie „von oben herab“ sondern auf gleicher Augenhöhe mit den beteiligten Zuchtfreunden gesprochen. So konnte es gelingen, dass die ausverhandelten Kriterien bis heute weitgehenden Bestand haben und kaum Anlass zu Kritik bieten. Kleine Änderungswünsche werden sich im Laufe der Zeit immer ergeben, das ist ganz normal, doch dazu später mehr.
Dennoch wurde damals in der festgelegten Standardbeschreibung die Latte bereits sehr hoch gelegt, denn wir wussten alle, dass zum damaligen Zeitpunkt wohl kaum ein Tier existierte, das diesen hohen Anforderungen auch nur annähernd gerecht werden konnte. Es gab bestenfalls Einzeltiere, die einige Merkmale perfekt ausgeprägt zeigten, aber kaum eines, das man als absolutes Spitzentier im Sinne des neuen Standards bezeichnen konnte. Und manche Rassemerkmale wie beispielsweise den rassetypisch korrekt ausgebildeten Schnabelstirnwinkel, rein weiße Zeichnungsanlagen ohne Rost oder schmale und schön gezogene Binden musste man damals in den Beständen sogar suchen wie die sprichwörtlichen Nadeln im Heuhaufen. Heute, nach nur wenigen Jahren Zuchtarbeit, stellt sich die Lage jedoch bereits ganz anders dar, und ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass eine Rasse in so kurzer Zeit derart verbessert werden kann. Die Ursachen dafür liegen meines Erachtens im Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Der wesentlichste ist wohl jener, dass mehrere Meisterzüchter an dem Prozess beteiligt waren, die jeweils sehr viel Energie und Zeit in das Projekt investierten. Alle zogen an einem Strang und gingen Jahr für Jahr mit einer hohen Anzahl an Taubenpaaren in die Zucht. In Kombination mit der sprichwörtlichen Zuchtfreudigkeit unserer Rasse bringt ein derartiges Vorgehen natürlich sehr viele Jungtiere pro Saison auf die Stange (-bis zu 8 oder gar 10 Jungtiere pro Paar sind meiner Erfahrung nach keine Seltenheit), aus denen man dann sehr schön eine geeignete Auswahl für die Weiterzucht treffen kann. Hinzu kommt nach meinem Eindruck ein Phänomen, das sich einer exakten wissenschaftlichen Erklärung entzieht. Wie manche Pflanzenliebhaber und Gärtner so etwas wie den berühmten „grünen Daumen“ besitzen mögen, mit dessen Hilfe ihnen einfach alles in der Pflege ihrer Pflanzen zu gelingen scheint, genauso muss es wohl auch etwas Vergleichbares im Tierzuchtbereich geben. Es ist eine spezielle Anlage, ein Gespür, der gewisse Blick oder die fast immer glückliche Hand für die optimalen Verpaarungen der jeweiligen Tauben im Sinne des angestrebten Zuchtzieles, die manchen Zuchtfreunden im Blut zu liegen scheinen, und mit deren Hilfe eine Rasse in kürzesten Zeiträumen enorm verbessert werden kann, was mich jedes Mal aufs Neue in ehrfurchtsvolles Staunen versetzt.
Zum ersten Mal erlebte ich diese Art von Staunen über die hohe Qualität von Altorientalischen Mövchen eines Züchters im Herbst 2012, als ich auf der VDT-Schau in Nürnberg neben vielen hervorragenden Tieren auch vor dem Käfig einer herausragenden braunfahlweißbindigen Täubin aus dem Schlage Dammers stand. Dieses Tier zu sehen und zu erleben, versetzte mir Adrenalinstöße. Genauso sollte ein Altorientalisches Mövchen meiner Vorstellung nach sein, sich verhalten und aussehen. Es war ganz einfach das perfekte Tier, wie aus dem Bilderbuch, von dem wir alle geträumt hatten. Und es hatte nur wenige Jahre seit der Anerkennung der Rasse gedauert, bis es zu Stande kam. Mir war augenblicklich klar, dass ab sofort mit den Spitzentieren der Ausgangsjahre auf Ausstellungen kein Pfifferling mehr zu gewinnen sein würde. Als ich in Nürnberg Rainers braunfahle Täubin sah, fiel mir Charles Darwin ein, und ich verstand einmal mehr, wieso ihn die Vielfalt und „Modellierbarkeit“ unserer Rassetauben bereits vor 150 Jahren zu seinem Hauptwerk über den Ursprung und die Veränderlichkeit der Arten und letztlich zu seiner revolutionären Evolutionstheorie inspiriert haben konnte.
Worauf legen wir Wert?
Die Rassemerkmale unseres Altorientalischen Mövchens an dieser Stelle nochmals im Detail zu beschreiben, halte ich für überflüssig. Sie können im Deutschen Rassetaubenstandard, im AOM-Journal des Sondervereins oder an anderer medialer Stelle nachgelesen werden. Auf einige Punkte, die immer wieder zu Verständnisproblemen und Diskussionen führen, möchte ich dennoch kurz eingehen. Der SV-Vorstand hat übrigens Schwerpunkte für die Bewertung und Selektion von Altorientalischen Mövchen mit Kommentaren für eine zuchtstandsbezogene Bewertung ausgearbeitet und im AOM-Journal veröffentlicht. Ich durfte diese bereits im März 2015 anlässlich einer Preisrichterschulung in Oberösterreich vorstellen und besprechen. Sie verbessern das Verständnis der Rasse enorm. Für Preisrichter, die häufig Altorientalische Mövchen zu bewerten haben, könnten diese Kommentare unter Umständen als zweckmäßige Ergänzung zu den Standardblättern des Deutschen Rassetaubenstandards dienen. Sie können gerne bei Dr. Martin Linde unter drmlinde@gmail.com angefordert werden.
Ein Anlass für Züchterdiskussionen nach der Bewertung von Altorientalischen Mövchen auf Ausstellungen ist die häufig gestellte Frage nach der angestrebten Größe der Tiere. Wie groß sollen die Tiere nun tatsächlich sein? Im Standardtext ist ja von einem knapp mittelgroßen Mövchen die Rede. Nun, eine ähnliche Formulierung finden wir auch im Standard des modernen Orientalischen Mövchen, in dem die Rasse kurz und prägnant als mittelgroß beschrieben wird. Vergleichen wir jedoch die Ringgrößen der beiden Rassen, so fällt auf, dass sie um zwei Nummern divergieren. Tragen moderne Orientalen Ringe der Größe 10, so begnügen sich deren alte Vettern mit Ringen in 8 mm Durchmesser, und das, obwohl es sich auch bei letzteren um ebenso bestrümpfte Tauben handelt. Daraus lässt sich zwangsweise ableiten, dass Altorientalen deutlich kleiner sein müssen, wenn wir keine Probleme mit zu eng sitzenden Ringen bekommen wollen, was bei Einzeltieren der Ausgangspopulation durchaus manchmal der Fall war. Natürlich sollen die Proportionen stimmen. So ferne diese Voraussetzung jedoch erfüllt ist, werden von rassekundigen Preisrichtern immer figürlich kleine, puppige und in der Hinterpartie kurze Tiere herausgestellt. Wir wollen natürlich keine Figuritas, aber zu klein kann ein Altorientalisches Mövchen im Moment wohl nicht sein. Es schleicht sich eher das gegenteilige Problem in den Beständen ein, wonach die Tiere gerne zu kräftig werden. Eine deutliche Abgrenzung zu der modernen Schwesternrasse auch in Punkto Körpergröße muss unter allen Umständen gewahrt bleiben.
Im Standard wird der Augenrand als „wenig abgedeckt“ bezeichnet. Diese Forderung liegt darin begründet, dass dieses Merkmal wohl ein der Rasse ursprünglich eigenes ist. Seitens des Sondervereines wünscht man sich derzeit jedoch, dem Ausmaß der Abdeckung noch keinerlei Relevanz in der zuchtstandsbezogenen Bewertung beizumessen.
Ein minimal erkennbarer Schnabelstirnwinkel wird angestrebt. Auch wenn es nur eine Kleinigkeit zu sein scheint, verbessert dennoch die korrekte Ausprägung dieses Rassemerkmales die Attraktivität eines Altorientalischen Mövchens ungemein.
Glücklicherweise haben das viele Züchter der Rasse sehr bald erkannt und früh damit begonnen, scharf in die gewünschte Richtung zu selektieren. Wurde in den Anfangsjahren der Rasse häufig und auch vollkommen zu Recht (-weil es eben kaum bessere Tiere gab) über fehlerhafte Schnabelverläufe großzügig hinweggesehen, so dürfen heute in diesem Punkt längst härtere Maßstäbe angelegt werden. Der Sonderverein wünscht sich, dass heutzutage in den Hauptfarbenschlägen ein stark senkender Schnabel mehr kein „sehr gut“ in der Bewertung zulassen möge.
Ein Anlass für Züchterdiskussionen nach der Bewertung von Altorientalischen Mövchen auf Ausstellungen ist die häufig gestellte Frage nach der angestrebten Größe der Tiere. Wie groß sollen die Tiere nun tatsächlich sein? Im Standardtext ist ja von einem knapp mittelgroßen Mövchen die Rede. Nun, eine ähnliche Formulierung finden wir auch im Standard des modernen Orientalischen Mövchen, in dem die Rasse kurz und prägnant als mittelgroß beschrieben wird. Vergleichen wir jedoch die Ringgrößen der beiden Rassen, so fällt auf, dass sie um zwei Nummern divergieren. Tragen moderne Orientalen Ringe der Größe 10, so begnügen sich deren alte Vettern mit Ringen in 8 mm Durchmesser, und das, obwohl es sich auch bei letzteren um ebenso bestrümpfte Tauben handelt. Daraus lässt sich zwangsweise ableiten, dass Altorientalen deutlich kleiner sein müssen, wenn wir keine Probleme mit zu eng sitzenden Ringen bekommen wollen, was bei Einzeltieren der Ausgangspopulation durchaus manchmal der Fall war. Natürlich sollen die Proportionen stimmen. So ferne diese Voraussetzung jedoch erfüllt ist, werden von rassekundigen Preisrichtern immer figürlich kleine, puppige und in der Hinterpartie kurze Tiere herausgestellt. Wir wollen natürlich keine Figuritas, aber zu klein kann ein Altorientalisches Mövchen im Moment wohl nicht sein. Es schleicht sich eher das gegenteilige Problem in den Beständen ein, wonach die Tiere gerne zu kräftig werden. Eine deutliche Abgrenzung zu der modernen Schwesternrasse auch in Punkto Körpergröße muss unter allen Umständen gewahrt bleiben.
Die Proportionen müssen stimmen. Hier ein Größenvergleich zwischen Altorientale (links) und moderner Vetter (rechts).
Ein Kopfvergleich zwischen Alt (links) und Modern (rechts).
Im Standard wird der Augenrand als „wenig abgedeckt“ bezeichnet. Diese Forderung liegt darin begründet, dass dieses Merkmal wohl ein der Rasse ursprünglich eigenes ist. Seitens des Sondervereines wünscht man sich derzeit jedoch, dem Ausmaß der Abdeckung noch keinerlei Relevanz in der zuchtstandsbezogenen Bewertung beizumessen.
Ein minimal erkennbarer Schnabelstirnwinkel wird angestrebt. Auch wenn es nur eine Kleinigkeit zu sein scheint, verbessert dennoch die korrekte Ausprägung dieses Rassemerkmales die Attraktivität eines Altorientalischen Mövchens ungemein. Glücklicherweise haben das viele Züchter der Rasse sehr bald erkannt und früh damit begonnen, scharf in die gewünschte Richtung zu selektieren. Wurde in den Anfangsjahren der Rasse häufig und auch vollkommen zu Recht (-weil es eben kaum bessere Tiere gab) über fehlerhafte Schnabelverläufe großzügig hinweggesehen, so dürfen heute in diesem Punkt längst härtere Maßstäbe angelegt werden. Der Sonderverein wünscht sich, dass heutzutage in den Hauptfarbenschlägen ein stark senkender Schnabel mehr kein „sehr gut“ in der Bewertung zulassen möge.
In manchen Farbenschlägen wie den dominant roten sind die Tiere in einigen Zuchten noch reichlich lang und sollten daher mit Fingerspitzengefühl bewertet werden. Da man jedoch prinzipiell alle spiegelschwänzigen Farben und auch alle gesäumten Farbenschläge jeweils problemlos untereinander verpaaren und damit auch verbessern kann, sollte diese Schonung körperlich langer Tiere nicht mehr allzu lange andauern. Auf Großschauen mit entsprechend vorhandener Konkurrenz ist sie heute schon unangebracht. Grundsätzlich sollten die Schwingen eines Altorientalischen Mövchens die Mitte des Schwanzspiegels mindestens erreichen, andernfalls müsste man dem Tier mehr Kürze im Schwanz und/oder Körper wünschen.
In Bezug auf die korrekte Schwingung und Scheckung unserer Altsatinetten gibt es immer wieder Diskussionen. Die diesbezüglichen Empfehlungen des Sondervereins lauten wie folgt. Lediglich fünf oder sechs weiße Schwingen verursachen zwar ein etwas unschönes, aber durchaus standardgerechtes Spießen (Standardtext: „Von außen sind 5 bis 12 Schwingen weiß, …“). Sie sind also kein Fehler. Bei bis zu zwei weißen Schwingen Unterschied zwischen linkem und rechtem Flügel liegt noch alles im grünen Bereich. Bei drei Schwingen Unterschied wünscht ein rassekundiger Richter in der Bewertungskritik dem Tier eine gleichmäßigere Schwingung. Ein „sehr gut“ wäre also durchaus möglich. Eine Wechselschwinge bedingt ein „gut“. Die Farbe der Klappenfedern spielt keine Rolle. Da sie im Standard nicht erwähnt wird, dürfen weiße Klappenfedern auch nicht zur Abstufung von ansonsten gleichwertigen Tieren herangezogen werden. Der Begriff „Anatolierscheckung“ per se beinhaltet natürlich per definitionem die Tatsache, dass die Klappenfedern farbig sein sollten. Etwas Weiß im Keil, auch unter den langen Keilfedern, ist zulässig. Ein vollständig weißer Keil ist jedoch ein Fehler, und schließt somit das Tier vom „sehr gut“ aus.
Die Ausprägung des Spiegelschwanzes kann sehr stark variieren und zieht daher immer wieder heftige Diskussionen nach sich. Ein leicht unterzeichneter Spiegel (meist ist die Schwanzbinde der mittleren Federn nicht vollständig aufgehellt) ist absolut kein Problem, weshalb selbst ein „vorzüglich“ für das betreffende Tier möglich bleibt. Ein stark unterzeichneter Spiegel, bei dem aber auf jeder Feder wenigstens etwas Weiß vorhanden ist, zieht einen kleinen Wunsch in der Bewertungskritik nach sich (bis „hervorragend“ ist alles möglich). Fehlende Spiegelzeichnung, selbst wenn nur einzelne Schwanzfedern betroffen sind, ist ein grober Fehler und bedingt ein „befriedigend“. Eine durchbrochene Spiegelzeichnung, also eine weiß auslaufende Schwanzbinde, ist ein Fehler, aber kein grober, und bewirkt somit zwingend maximal ein „gut“.
Die dominant roten Farben der Altorientalischen Mövchen sorgen immer wieder für Verwirrungen. Anerkannt sind vier Farbenschläge, die genetisch den spiegelschwänzigen Satinetten zuzuordnen sind (Rotfahl mit weißen Binden, Gelbfahl mit weißen Binden, Rotfahlgeschuppt und Gelbfahlgeschuppt), sowie zwei Farbenschläge mit genetisch gesäumten Schwänzen (Lavendelgesäumt und Cremegesäumt). Erstere zeigen den Spiegel nur mit viel Fantasie und andeutungsweise, was bewertungstechnisch kein Problem darstellt und auf die spezifische Wirkung der Gene aus dem Orientstencilkomplex (=Toy stencil + Frill stencil) in Kombination mit der dominant roten Grundfarbe zurückzuführen ist. Dass der Spiegel in diesen Farben optisch nicht stärker ausgeprägt in Erscheinung tritt, ist also eine genetische Tatsache, an der wir nichts ändern können. Ändern beziehungsweise gegensteuern lässt sich durch einfache Selektionsmaßnahmen jedoch ein anderes Phänomen, das diese vier Farbenschläge tendenziell zeigen. Es ist ein schleichend zunehmender Pigmentverlust der Schwanzfedern, der zu einem fast vollständigen Ausbleichen dieser Federn führen kann. Das ist nicht zu tolerieren, weil andernfalls eine derart ausgebleichte Feder bei den oft schlechten Lichtverhältnissen auf Ausstellungen vom Preisrichter unter Umständen nicht mehr von einer fehlerhaft scheckungsweißen Feder unterschieden werden könnte. Es sollten also auch die beiden verdünnten Farben (Gelbfahlweißbindig und Gelbfahlgeschuppt) unbedingt Restpigmente wenigstens in den Federkielen der Schwanzfedern aufweisen. Tun sie das nicht, könnte man es einem Preisrichter, der die Vorgaben des Deutschen Rassetaubenstandard hart auslegt, nicht zum Vorwurf machen, wenn er das betreffende Tier ausschließt. Natürlich plädiere ich bei derartigen Grenzfällen in jedem Fall für Fingerspitzengefühl in der Bewertung. Dies auch deshalb, weil es bei den beiden gesäumten dominant roten Farben Lavendel- und Cremegesäumt selbst mit den besten Selektionsmaßnahmen ohnedies niemals gelingen wird, eine Säumung auf den Schwanz zu zaubern. Deren Schwänze sind zwar genetisch gesäumt, und die Tiere vererben diese Veranlagung in Verpaarungen mit gesäumten Altorientalen anderer Grundfarben selbstverständlich auch, optisch jedoch sind die Schwanzfedern praktisch weiß und lassen sich mit freiem Auge daher leider nicht von fehlerhaft scheckungsweißen Federn unterscheiden. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich diese beiden Farben niemals rein, sondern immer nur in Verpaarungen mit Tauben einer anderen Grundfarbe züchten würde, um nämlich zu verhindern, dass sich unerkannt fehlerhaftes Scheckungsweiß in die Schwanzfedern einschleicht. Tintenflecken der dabei entstehenden mischerbigen Täuber sind im Fall der Altorientalischen Mövchen meist vernachlässigbar gering und in Kauf zu nehmen. Sie stellen das geringere Übel dar.
Bei den geschuppten Farbenschlägen wird mit Ausnahme der dominant roten eine Pfeilspitzzeichnung mit einem schmalen farbigen Saum angestrebt. Bei sonst gleichwertigen Tieren werden Tiere mit Pfeilspitzschuppung vorgezogen.
Zukunftsprojekte
Bereits in sehr naher Zukunft steht noch einmal ein großartiges Projekt zur Verwirklichung an, das ebenfalls bereits vor vielen Jahren in der Fachpresse angekündigt oder wenigstens angedacht war. Es ist dies das angestrebte Anerkennungsverfahren innerhalb der Rasse für die Farbvarianten der Blondinetten. So wie bei den modernen Orientalischen Mövchen, bei denen neben Satinetten selbstverständlich auch Blondinetten ihren festen Züchter- und Liebhaberkreis haben, tauchen in den letzten Jahren diese Farbvarianten auch bei Altorientalischen Mövchen vermehrt auf. Auffallend viele Züchterwerkstätten befassen sich inzwischen mit diesen attraktiven Tieren, manche sogar ausschließlich, und eine Aufnahme von Blondinetten in den Standard der Altorientalischen Mövchen wäre daher auf alle Fälle sehr begrüßenswert. Blondinetten unterscheiden sich von den bisher anerkannten Satinetten genetisch lediglich dadurch, dass sie kein Scheckungsweiß tragen. Konkret fehlt ihnen die sogenannte Anatolierscheckung der Satinetten, und wir bezeichnen sie also gemäß der Definition des Deutschen Rassetaubenstandards als einfarbig.
Ein Zukunftsprojekt: Altorientalische Mövchen als Blondinetten. Hier eine vielversprechende Jungtäubin in Schwarzgesäumt aus dem Schlage Dlugopolsky. Foto: Dlugopolsky.
Auch in Rotgesäumt gibt es bereits ansprechende Blondinetten. Hier ein Täuber aus dem Schlage Kotzur. Foto: Kotzur.
Ein mögliches weiteres Projekt betrifft einige gesäumte Farbenschläge. Die gesäumten Farbenschläge wurden im Anerkennungsverfahren der Jahre 2008 und davor ohne die bindigen Varianten anerkannt. Es fehlen im Standard also die genetisch möglichen Schwarz- und Dunweißbindigen, die Lavendel- u. Cremeweißbindigen sowie die Braun- und Khakiweißbindigen. Wider erwarten haben sich nun einige Liebhaber dieser Farben gefunden. Vor allem der Farbenschlag Schwarz mit weißen Binden ist recht häufig vorhanden und wurde auch schon auf einigen Ausstellungen gezeigt. Ob einige oder auch sämtliche dieser bindigen Varianten mit gesäumtem Schwanz nun nachträglich doch auch zur Anerkennung gebracht werden, oder ob deren Züchter weiterhin das Auslangen über die AOC-Klasse finden, wird die Zukunft zeigen. Der Sonderverein wäre jedenfalls auch hier für eine Anerkennung offen. Es müssten sich nur Züchter finden, die die gewünschten Farben in Eigenregie über ein entsprechendes Anerkennungsverfahren zur Anerkennung bringen.
Ich wünsche den Züchtern Altorientalischer Mövchen und der Rasse selbst weiterhin alles Gute und eine blühende Zukunft. Attribute wie Zuchtfreudigkeit, Vitalität, absolute Unabhängigkeit vom Einsatz von Ammentauben, freundliches, menschenbezogenes Wesen und natürliche optische Attraktivität sind wesentliche Garanten dafür, dass wir auch weiterhin ohne Übertypisierungen in dieser Rasse auskommen werden und sollen. Wenn der eingeschlagene und länderübergreifende Weg seitens der Züchter und ihrer Organisationen weiterhin mit derart viel Elan und Eifer beschritten wird, so kann man den Werdegang oder vielleicht besser gesagt die Bewahrung dieser wundervollen Taubenrasse mit Fug und Recht als eine kulturelle Leistung ersten Ranges bezeichnen. Sie waren, sind und bleiben eine ausnehmend erfreuliche Erfolgsgeschichte innerhalb der Rassetaubenlandschaft Europas, wie sie Ihresgleichen bestimmt nicht so leicht findet.
Text und Fotos: Andreas Boisits
